Live-Roulette wirkt auf den ersten Blick überall ähnlich: ein echter Dealer, ein drehendes Rad und das vertraute Zahlenfeld. Entscheidend ist jedoch die Roulette-Variante am Tisch. Europäische, französische und amerikanische Live-Tische folgen zwar dem gleichen Ablauf, doch Radaufbau und einige Regeln können die langfristigen Kosten pro Einsatz deutlich verändern. Dieser Leitfaden erklärt die Unterschiede im Stand 2026: Was sich am Rad ändert, welche Regeln für welche Einsätze gelten und wie sich das in konkreten Wahrscheinlichkeiten und erwarteten Verlusten zeigt.
Am schnellsten erkennt man die Variante an den Null-Fächern. Europäisches Roulette hat eine einzelne Null (0) plus die Zahlen 1–36, also insgesamt 37 Fächer. Amerikanisches Roulette fügt eine Doppelnull (00) hinzu und kommt damit auf 38 Fächer. In Live-Dealer-Studios bedeutet „American Roulette“ im Jahr 2026 in der Regel weiterhin genau dieses klassische Layout mit 0 und 00; falls ein zusätzliches Null-Fach auftaucht, handelt es sich um eine separate Variante mit eigener Auszahlungslogik, die nicht automatisch den Standardregeln entspricht.
Diese Anzahl ist nicht nur ein Detail – sie bestimmt den Hausvorteil, solange die Auszahlungen gleich bleiben. Beim Single-Zero-Rad zahlt ein Plein (Einzelzahl) 35:1, obwohl die „fairen“ Chancen 36:1 wären, weil es für jeden Treffer 36 Nicht-Treffer gibt (und insgesamt 37 mögliche Ergebnisse). Genau diese Differenz erzeugt den Hausvorteil. Beim europäischen Roulette beträgt er 1/37, also etwa 2,70%. Beim amerikanischen Roulette liegt er bei 2/38, also etwa 5,26% – nahezu doppelt so hoch, allein wegen des zusätzlichen 00-Fachs.
Bei Außenwetten (Rot/Schwarz, Gerade/Ungerade, Hoch/Niedrig) unterschätzen viele Spieler die Kosten. Diese Einsätze zahlen 1:1, aber die Null gehört weder zu Rot noch Schwarz, weder zu Gerade noch Ungerade, weder zu Hoch noch Niedrig. Beim europäischen Roulette verliert man auf 0 – der Vorteil bleibt bei 2,70%. Beim amerikanischen Roulette verliert man auf 0 und 00 – der Vorteil steigt auf 5,26%. Die Grundregel lautet: Wenn zusätzliche Null-Fächer hinzukommen, die Auszahlungen aber gleich bleiben, wird der erwartete Verlust pro Einsatz höher.
Französisches Roulette wird häufig missverstanden, als wäre es „ein anderes Rad“. Tatsächlich nutzt französisches Roulette ebenfalls ein Single-Zero-Rad (wie europäisches Roulette), bietet aber oft Sonderregeln für Even-Money-Wetten, die den Hausvorteil senken können. Die zwei bekanntesten Regeln heißen La Partage und En Prison. Wichtig: Sie betreffen nur Außenwetten mit 1:1-Auszahlung (Rot/Schwarz, Gerade/Ungerade, Hoch/Niedrig). Für Innenwetten – etwa Pleins, Splits oder Carrés – bleibt der Vorteil wie beim Standard-Single-Zero-Roulette.
La Partage bedeutet: Fällt die Kugel auf 0, verliert eine Even-Money-Wette nur die Hälfte des Einsatzes. Praktisch bekommt man 50% zurück und verliert 50%. Dadurch sinkt der Hausvorteil bei diesen Wetten von 2,70% auf 1,35%, weil der „Null-Verlust“ halbiert wird. Das ist langfristig relevant – besonders für Spieler, die überwiegend Außenwetten spielen und ihren Einsatz konstant halten.
En Prison funktioniert ähnlich, ist aber nicht identisch. Fällt die Kugel auf 0, wird eine Even-Money-Wette „eingesperrt“ und erst im nächsten Coup entschieden. Gewinnt die Wette im nächsten Coup, erhält man den Einsatz zurück (meist ohne Gewinn). Verliert sie, ist der Einsatz weg. Die Langzeit-Mathematik ist bei Even-Money-Wetten in etwa vergleichbar mit La Partage, aber das Spielgefühl unterscheidet sich, weil der Einsatz eine Runde gebunden bleibt – was Einfluss auf Einsatzplanung und Tischlimits haben kann.
Neben dem Rad beeinflussen auch Live-Abläufe Entscheidungen, Tempo und Fehleranfälligkeit. Tische mit französischer Kennzeichnung folgen oft französischen Tischkonventionen: Man sieht häufiger sogenannte „Call Bets“ (angesagte Einsätze wie Nachbarn oder Sektoren des Rads) und manchmal ein Layout, das diese Einsatzart fördert. Europäische Live-Tische können Call Bets ebenfalls anbieten, doch bei französischen Tischen werden sie oft stärker in den Vordergrund gestellt. Solche Einsätze sind nicht automatisch besser oder schlechter – sie decken einfach mehrere Zahlen ab, basierend auf Rad-Sektoren.
Amerikanisches Live-Roulette bleibt beim Wettsystem meist sehr vertraut, aber der entscheidende Ablauf ist derselbe: Einsätze werden zu einem festen Zeitpunkt geschlossen, und nach „No more bets“ kann man keine Chips mehr setzen oder verschieben. Das Risiko liegt weniger in der Regel als im Tempo. Schnelle Runden begünstigen hektische Entscheidungen, ungleichmäßige Einsätze und Fehlplatzierungen. Wenn du Tische nach „Value“ vergleichst: Das Tempo verändert nicht den Hausvorteil – es beeinflusst nur, wie schnell sich der erwartete Verlust statistisch bemerkbar machen kann.
Ein weiterer Punkt ist die Bedienlogik für „Racetrack“-Einsätze und Chipplatzierung. Viele Live-Räume bieten eine Racetrack-Ansicht für Nachbarwetten, auch wenn das physische Layout standardisiert ist. Das ist bequem, kann aber dazu führen, dass man komplexe Einsätze setzt, ohne die Gesamtsumme bewusst wahrzunehmen. Eine sichere Gewohnheit ist, vor jeder Bestätigung den Wettschein bzw. die Onscreen-Zusammenfassung zu prüfen und Racetrack-Einsätze als mehrere Einzeleinsätze zu betrachten, nicht als „einen Klick“.
Es hilft, Roulette-Einsätze in zwei Gruppen zu teilen. Innenwetten liegen im Zahlenfeld: Plein (eine Zahl), Split (zwei), Transversale (drei), Carré (vier), Sechserreihe (sechs). Außenwetten liegen außerhalb: Dutzende, Kolonnen, Rot/Schwarz, Gerade/Ungerade, Hoch/Niedrig. Die französischen Regeln La Partage und En Prison gelten nur für Even-Money-Außenwetten (Rot/Schwarz, Gerade/Ungerade, Hoch/Niedrig) – nicht für Dutzende oder Kolonnen und nicht für Innenwetten.
Damit ist die Aussage „beste Gewinnchancen“ bei französischem Roulette immer an Bedingungen geknüpft. Wenn du hauptsächlich Pleins oder andere Innenwetten spielst, verbessert französisches Roulette die Quoten nicht gegenüber europäischem Roulette; beide bleiben beim Single-Zero-Standard mit 2,70% Hausvorteil bei üblichen Auszahlungen. Der Vorteil entsteht nur, wenn der Tisch La Partage oder En Prison ausdrücklich anbietet und du tatsächlich qualifizierende Even-Money-Wetten setzt.
Verlass dich nicht allein auf die Bezeichnung „French“. Im Jahr 2026 nutzen manche Live-Tische zwar französisches Branding, wenden aber nur das Single-Zero-Rad ohne Regelvorteile an – oder sie beschränken die Regeln auf bestimmte Limits. Verlässlich ist nur der Blick in die Tischinfos bzw. die Regeln: Steht dort, dass bei 0 „die Hälfte zurück“ gezahlt wird oder der Einsatz „eingesperrt“ wird, gilt der reduzierte Vorteil. Steht dort, dass die Wette bei 0 „verliert“, gibt es keinen Regelbonus.

Da Roulette ein Spiel mit negativem Erwartungswert ist, läuft der Vergleich der Varianten auf den erwarteten Verlust pro gesetztem Betrag hinaus. Anschaulich wird das, wenn man den Hausvorteil in durchschnittliche Kosten übersetzt. Setzt du 100 Coups lang jeweils 10 £ auf Rot, setzt du insgesamt 1.000 £. Beim europäischen Roulette liegt der erwartete Verlust langfristig bei rund 2,70% davon, also etwa 27 £. Beim amerikanischen Roulette sind es etwa 5,26%, also rund 52,60 £. Einzelne Sessions schwanken stark, aber der durchschnittliche Kostenunterschied bleibt bestehen.
Beim französischen Roulette mit La Partage oder En Prison auf Even-Money-Wetten liegt der erwartete Verlust auf die gleichen 1.000 £ Einsatz bei etwa 1,35%, also ungefähr 13,50 £. Darum wählen erfahrene Spieler, die überwiegend Außenwetten spielen, oft Tische mit französischen Regeln, wenn sie verfügbar sind. Der Abstand ist deutlich: Im Vergleich zum amerikanischen Roulette können die langfristigen Kosten für diese Wetten grob um den Faktor vier niedriger sein (5,26% vs. 1,35%).
Trotzdem ist der „beste“ Tisch nicht automatisch der mit der kleinsten Zahl beim Hausvorteil. Entscheidend ist, wie du tatsächlich setzt. Wenn du Innen- und Außenwetten mischst, profitiert nur der Anteil deiner Einsätze, der unter die französischen Regeln fällt. Wenn du häufig auf hohe Auszahlungen über Pleins oder Splits gehst, orientieren sich deine Kosten auch am französischen Tisch eher am Standard-Single-Zero. Der wichtigste Schritt ist daher: Prüfe, wofür du den Großteil deines Einsatzes verwendest – nicht, wie der Tisch heisst.
Beginne mit dem Rad. Gibt es nur 0, ist es Single-Zero (europäisch/französisch). Gibt es 0 und 00, ist es amerikanisch. Dieser Blick verhindert teure Fehlannahmen. Öffne danach die Regeln und suche gezielt nach der Behandlung der 0 bei Even-Money-Wetten. Wenn La Partage oder En Prison genannt werden, notiere dir genau, welche Wetten eingeschlossen sind und ob Limits eine Rolle spielen.
Als Nächstes prüfe Side Bets. Zusatzwetten sind bei Live-Roulette sehr verbreitet und können einen deutlich höheren Hausvorteil haben als das Grundspiel. Selbst wenn das Rad Single-Zero ist, können Side Bets deinen erwarteten Verlust dominieren, wenn du sie häufig spielst. Wenn du Kosten minimieren willst, betrachte Side Bets als eigenes Spiel und lies die Auszahlungslogik, statt anzunehmen, es sei nur „ein kleiner Extra-Kick“.
Zum Schluss: Limits und Tempo. Ein niedriger Hausvorteil hilft nicht, wenn der Mindesteinsatz höher ist, als du vernünftig tragen kannst. Und sehr schnelle Tische erhöhen das Risiko, mehr zu setzen als beabsichtigt. Eine pragmatische Auswahl ist meist: Single-Zero zuerst, französische Regeln für Even-Money-Wetten, wenn das zu deinem Stil passt, sinnvolle Limits und ein Tempo, das bewusstes Setzen erlaubt. So passen Mathematik und Spielerlebnis zusammen.