Wie viele Menschen in Großbritannien nehmen tatsächlich an Glücksspielen teil, welche Angebote sind besonders beliebt und wie verbreitet sind glücksspielbedingte Probleme? Die Gambling Survey for Great Britain (GSGB) liefert im Jahr 2026 einige der bisher zuverlässigsten Antworten auf diese Fragen. Die von der britischen Glücksspielaufsichtsbehörde UK Gambling Commission in Auftrag gegebene Untersuchung analysiert die Spielbeteiligung, Einstellungen zum Glücksspiel und dessen Auswirkungen in England, Schottland und Wales. Der dritte Jahresbericht, der am 16. Juli 2026 veröffentlicht wurde, basiert auf den Antworten von 20.775 Erwachsenen, die zwischen Januar 2025 und Januar 2026 befragt wurden. Weitere Ergebnisse aus dem September 2026 vermitteln einen ersten Eindruck vom Glücksspielverhalten im laufenden Jahr. Zusammengenommen zeigen die Berichte einen Markt, der stark von Lotterien geprägt ist, deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen aufweist und weiterhin mit erheblichen Risiken glücksspielbedingter Schäden verbunden ist.
Glücksspiel gehört für viele Erwachsene in Großbritannien zum Alltag. Wie hoch die Beteiligung tatsächlich ausfällt, hängt allerdings wesentlich davon ab, welcher Zeitraum und welche Aktivitäten berücksichtigt werden. Laut dem Jahresbericht 2025 der Gambling Survey for Great Britain hatten 59 % der Erwachsenen innerhalb der vorangegangenen zwölf Monate mindestens einmal an einem Glücksspiel teilgenommen. Das entspricht rund 31 Millionen Menschen. Betrachtet man ausschließlich die letzten vier Wochen vor der Befragung, lag die Beteiligung bei 47 %, was ungefähr 25 Millionen Erwachsenen entspricht. Werden Personen ausgeschlossen, die ausschließlich an Lotterieziehungen teilgenommen haben, sinken diese Werte auf 40 % für den Zwölfmonatszeitraum und 27 % für die letzten vier Wochen. Diese Unterscheidung ist entscheidend, denn der gelegentliche Kauf eines Lottoscheins unterscheidet sich erheblich von regelmäßigen Sportwetten oder dem Spielen in Online-Casinos.
Die ersten Quartalsergebnisse für 2026, die von der Gambling Commission am 17. September veröffentlicht wurden, deuten auf eine weitgehend stabile Gesamtbeteiligung hin. Von den 5.277 Erwachsenen, die zwischen Januar und Mai 2026 befragt wurden, gaben 49 % an, innerhalb der vorangegangenen vier Wochen an Glücksspielen teilgenommen zu haben. Ohne Personen, die ausschließlich Lotterieziehungen nutzten, verringerte sich dieser Anteil auf 28 %. Damit hatten ungefähr 21 % der britischen Erwachsenen in diesem Zeitraum lediglich an Lotterieziehungen teilgenommen. Die Ergebnisse für 2026 bestätigen somit eine wichtige Erkenntnis: Lotterieprodukte machen einen erheblichen Teil der gesamten Glücksspielbeteiligung aus und beeinflussen die landesweiten Statistiken deutlich stärker, als es die allgemeinen Zahlen zunächst vermuten lassen.
Auch zwischen den Altersgruppen und Geschlechtern bestehen erkennbare Unterschiede. In der Veröffentlichung vom September 2026 lag die Glücksspielbeteiligung innerhalb der letzten vier Wochen bei 53 % der Männer und 44 % der Frauen. Die höchsten Gesamtwerte wurden bei Menschen zwischen 45 und 64 Jahren festgestellt, wobei die Beteiligung in den entsprechenden Altersgruppen zwischen 56 % und 59 % lag. Werden jedoch Personen ausgeschlossen, die ausschließlich Lotterieziehungen nutzten, verändert sich das Bild. Dann weisen Erwachsene zwischen 35 und 44 Jahren mit 35 % die höchste Beteiligungsquote auf. Ältere Menschen nehmen besonders häufig an Lotterieziehungen teil, während jüngere und mittlere Altersgruppen einen größeren Anteil an anderen Glücksspielaktivitäten ausmachen. Diese Unterschiede verdeutlichen, weshalb eine einzige landesweite Prozentzahl das Glücksspielverhalten der britischen Bevölkerung nicht ausreichend beschreiben kann.
Lotterieprodukte dominieren die Beteiligungsstatistik eindeutig. In der Jahreserhebung 2025 war der Kauf von Losen für die National Lottery die am häufigsten genannte Glücksspielaktivität innerhalb der vorangegangenen vier Wochen. Insgesamt 31 % der Erwachsenen hatten daran teilgenommen. Andere Wohltätigkeitslotterien erreichten 16 %, während Rubbellose auf 12 % kamen. Die ersten Ergebnisse für 2026 zeigen eine ähnliche Vorliebe für bekannte Lotterieangebote. Außerhalb der klassischen Lotterieziehungen nutzten 13 % der Erwachsenen Rubbellose, 10 % beteiligten sich an Wettangeboten und 8 % spielten Online-Sofortgewinnspiele. Diese Zahlen machen deutlich, dass traditionelle Lotterieprodukte weiterhin eine zentrale Rolle auf dem britischen Glücksspielmarkt spielen, obwohl Online-Casinospiele, Sportwetten und zahlreiche weitere digitale Angebote verfügbar sind.
Bei einer genaueren Betrachtung einzelner Bevölkerungsgruppen zeigen sich unterschiedliche Vorlieben und Spielgewohnheiten. Laut dem Jahresbericht 2025 beteiligten sich Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren, die innerhalb der vorangegangenen vier Wochen gespielt hatten, durchschnittlich an 3,6 verschiedenen Glücksspielaktivitäten. Bei Personen ab 75 Jahren lag dieser Wert dagegen bei lediglich 1,7. Über alle kürzlich aktiven Glücksspielteilnehmer hinweg betrug der Durchschnitt 2,4 Aktivitäten. Die Quartalsergebnisse für 2026 verdeutlichten außerdem einen erheblichen Unterschied bei der Teilnahme an Wetten: Während 16 % der Männer entsprechende Angebote nutzten, waren es unter den Frauen nur 4 %. Daraus ergibt sich, dass insbesondere jüngere Glücksspielteilnehmer und Personen, die regelmäßig wetten, bei der Untersuchung unterschiedlicher Spielgewohnheiten stärker berücksichtigt werden sollten. Die allgemeine Beteiligungsquote allein zeigt schließlich weder, wie häufig jemand spielt, noch wie viele verschiedene Angebote genutzt werden.
Die Aussicht auf einen finanziellen Gewinn bleibt für viele Menschen ein wichtiger Beweggrund. In der Erhebung 2025 erklärten 84 % der Glücksspielteilnehmer, dass die Möglichkeit, eine größere Geldsumme zu gewinnen, zumindest gelegentlich ein Grund für ihre Teilnahme sei. Spielspaß wurde von 69 % genannt, das Verdienen von Geld von 57 % und Spannung von 53 %. Interessanterweise zeigten die ersten Ergebnisse für 2026, dass Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren die einzige Altersgruppe waren, in der Spielspaß häufiger als finanzielle Motive als wichtigster Teilnahmegrund angegeben wurde. Auch die persönlichen Erfahrungen wurden unterschiedlich bewertet: Im Jahresbericht beschrieben 42 % der Teilnehmer ihr jüngstes Glücksspielerlebnis als positiv, 36 % äußerten sich neutral und 22 % bewerteten es negativ. Glücksspiel ist damit zwar weit verbreitet, eine hohe Beteiligung bedeutet jedoch keineswegs automatisch, dass die Spieler besonders zufrieden oder begeistert sind.
Eine der aufschlussreichsten Erkenntnisse betrifft das Verhältnis zwischen Online-Glücksspiel und der Teilnahme an Lotterien. Der Jahresbericht 2025 stellte fest, dass 38 % der Erwachsenen innerhalb der vorangegangenen vier Wochen online gespielt hatten, während 28 % an Glücksspielen vor Ort teilnahmen. Auf den ersten Blick scheint das Online-Glücksspiel damit einen deutlichen Vorsprung zu besitzen. Werden allerdings Personen herausgerechnet, die ausschließlich an Lotterieziehungen teilgenommen haben, verändert sich der Vergleich erheblich: Die Online-Beteiligung sinkt auf 16 %, während die Teilnahme an Glücksspielen vor Ort bei 17 % liegt. Die Zahlen zeigen, dass der scheinbare Vorsprung des Online-Glücksspiels zu einem großen Teil auf Menschen zurückzuführen ist, die ihre Lottoscheine digital kaufen. Er lässt sich daher nicht ohne Weiteres als Hinweis auf eine besonders hohe Beteiligung an Online-Casinospielen oder Sportwetten interpretieren.
Die während der ersten Monate des Jahres 2026 erhobenen Daten bestätigen diese Einschätzung. Die Online-Beteiligung erreichte 39 %, während 29 % der Erwachsenen Glücksspiele vor Ort nutzten. Nach dem Ausschluss von Personen, die ausschließlich an Lotterieziehungen teilgenommen hatten, sanken diese Werte auf 16 % beziehungsweise 18 %. Die am häufigsten genannte Online-Aktivität war der Kauf von Losen für Ziehungen der National Lottery, an denen sich 25 % der Erwachsenen beteiligten. Weitere 15 % kauften online Lose anderer Wohltätigkeitslotterien, während 8 % Online-Sofortgewinnspiele nutzten. Alle Angaben beziehen sich auf die vorangegangenen vier Wochen. Die einzelnen Werte dürfen außerdem nicht einfach addiert werden, da dieselbe Person mehrere Lotterieprodukte kaufen oder gleichzeitig an anderen Glücksspielen teilnehmen kann.
Die digitale Teilnahme an Lotterien bietet Verbrauchern verschiedene praktische Vorteile. Lottoscheine lassen sich kaufen, ohne ein Geschäft aufsuchen zu müssen, regelmäßige Teilnahmen können über ein Benutzerkonto verwaltet und Ziehungsergebnisse elektronisch überprüft werden. Dennoch sollten klassische Online-Lotterieziehungen und Sofortgewinnspiele nicht als identische Angebote betrachtet werden. Bei einer gewöhnlichen Lotterieziehung müssen Teilnehmer auf ein festgelegtes Ergebnis warten. Ein Sofortgewinnspiel liefert dagegen unmittelbar ein Resultat und kann dadurch wiederholte Käufe begünstigen. Die Studie berücksichtigt beide Aktivitäten innerhalb ihrer umfassenden Untersuchung des Glücksspielverhaltens. Ihre unterschiedlichen Eigenschaften sind jedoch besonders relevant, wenn es um Ausgaben, Teilnahmehäufigkeit und mögliche negative Folgen geht. Eine hohe Online-Beteiligung beweist für sich genommen nicht, dass britische Verbraucher zunehmend Casinospiele mit schneller Spielabfolge bevorzugen.
Die Gambling Survey for Great Britain zählt mit jährlich ungefähr 20.000 Befragten zu den weltweit größten spezialisierten Untersuchungen des Glücksspielverhaltens. Sie wird vom National Centre for Social Research in Zusammenarbeit mit der University of Glasgow durchgeführt. Teilnehmer können den Fragebogen online oder auf Papier ausfüllen. Dadurch lassen sich auch Menschen mit unterschiedlichem Internetzugang und verschiedenen digitalen Kenntnissen erreichen. Die erhobenen Daten werden statistisch gewichtet, um möglichst aussagekräftige Schätzungen für die erwachsene Bevölkerung Großbritanniens zu erhalten. Dennoch handelt es sich wie bei jeder Befragung um Schätzwerte und nicht um eine exakte Zählung aller Glücksspielteilnehmer. Der Jahresbericht ordnet die vierwöchige Beteiligungsquote von 47 % einem 95-prozentigen Konfidenzintervall von ungefähr 46,3 % bis 48,6 % zu. Das bedeutet, dass bei der Interpretation der Ergebnisse eine gewisse statistische Unsicherheit berücksichtigt werden muss.
Eine weitere wichtige Einschränkung betrifft Vergleiche mit älteren Glücksspielstudien. Die Gambling Commission weist ausdrücklich darauf hin, dass die GSGB eine andere Untersuchungsmethode verwendet als frühere Glücksspiel- und Gesundheitsbefragungen. Deshalb können deren Ergebnisse nicht ohne Weiteres miteinander verglichen werden, um einen Anstieg oder Rückgang der Glücksspielbeteiligung nachzuweisen. Aussagekräftiger sind Vergleiche innerhalb der GSGB-Untersuchungsreihe. Der im Juli 2026 veröffentlichte Trendbericht stellte fest, dass die Beteiligung innerhalb der jeweils vorangegangenen vier Wochen weitgehend stabil geblieben war. Sie sank zwischen 2023 und 2025 lediglich von 48 % auf 47 %. Zwar wurden einzelne Veränderungen festgestellt, darunter eine höhere Beteiligung an Glücksspielen außerhalb von Lotterieziehungen bei Männern ab 55 Jahren. Ein allgemeiner sprunghafter Anstieg innerhalb der erwachsenen Bevölkerung lässt sich aus den Ergebnissen jedoch nicht ableiten.
Die Beteiligungsquoten geben außerdem kaum Auskunft darüber, wie viel Geld einzelne Personen ausgeben oder ob sich Glücksspiel negativ auf ihr Wohlbefinden auswirkt. Ein Mensch, der einmal wöchentlich an einer Lotterieziehung teilnimmt, und eine andere Person, die jeden Abend Online-Slots spielt, können in derselben allgemeinen Statistik erscheinen. Ebenso bedeutet ein Online-Kauf nicht automatisch, dass jemand besonders häufig spielt oder finanzielle Schwierigkeiten erlebt. Für eine aussagekräftigere Bewertung müssen deshalb die Art des Glücksspiels, die Teilnahmehäufigkeit, die ausgegebenen Geldbeträge und mögliche Folgen berücksichtigt werden. Gerade bei Online-Lotterien ist diese Unterscheidung wichtig. Ihre Beliebtheit kann die landesweiten Glücksspielstatistiken erheblich beeinflussen, ohne dass daraus sämtliche Risiken der unterschiedlichen Glücksspielangebote erkennbar werden.

Besonders besorgniserregend sind die Ergebnisse zum Anteil der Erwachsenen, bei denen Anzeichen problematischen Glücksspielverhaltens festgestellt wurden. Der Jahresbericht 2025 verwendet dafür den Problem Gambling Severity Index (PGSI). Dieses Bewertungsverfahren umfasst neun Fragen zum Glücksspielverhalten und dessen negativen Auswirkungen. Von allen befragten Erwachsenen erreichten 7,8 % einen Wert zwischen 1 und 2 Punkten, was auf ein geringes Risiko hinweist. Weitere 3,5 % erzielten zwischen 3 und 7 Punkten und wurden damit der Gruppe mit mittlerem Risiko zugeordnet. Bei 2,4 % lag der Wert bei mindestens 8 Punkten, was als Hinweis auf problematisches Glücksspiel gilt. Nach Schätzungen der Gambling Commission gehören ungefähr 1,3 Millionen Erwachsene in Großbritannien zu dieser höchsten Risikokategorie. Solche Ergebnisse sind wichtige Warnsignale, dürfen jedoch nicht mit einer individuellen medizinischen Diagnose einer Glücksspielsucht gleichgesetzt werden.
Das Risiko verteilt sich keineswegs gleichmäßig auf die Bevölkerung. Unter den Menschen, die innerhalb der vorangegangenen zwölf Monate an Glücksspielen teilgenommen hatten, erreichten 4 % einen PGSI-Wert von mindestens 8 Punkten. Bei Glücksspielteilnehmern zwischen 18 und 24 Jahren lag dieser Anteil sogar bei 10,4 %, während er unter den mindestens 75-Jährigen lediglich 0,8 % betrug. Männer waren ebenfalls häufiger betroffen als Frauen: 5,3 % der männlichen und 2,7 % der weiblichen Glücksspielteilnehmer gehörten zur höchsten Risikokategorie. Auch wirtschaftliche und soziale Lebensumstände scheinen eine Rolle zu spielen. In England erreichten 4,5 % der Erwachsenen aus den am stärksten benachteiligten Wohngebieten mindestens 8 Punkte, verglichen mit 1,2 % in den am wenigsten benachteiligten Gebieten. Diese Unterschiede zeigen, welche Bevölkerungsgruppen besondere Aufmerksamkeit benötigen. Sie bedeuten allerdings nicht, dass Alter, Geschlecht oder wirtschaftliche Situation allein darüber entscheiden, ob jemand ein Glücksspielproblem entwickelt.
Die Untersuchung zeigt außerdem Unterschiede zwischen einzelnen Glücksspielarten. Unter den Teilnehmern bestimmter Angebote, darunter Online-Slots, Casinospiele, Online-Bingo und Fußball-Tippspiele, lag der Anteil der Personen mit einem PGSI-Wert von mindestens 8 Punkten wenigstens fünfmal höher als unter allen Erwachsenen, die im vorangegangenen Jahr gespielt hatten. Dieser statistische Zusammenhang beweist nicht, dass ein bestimmtes Glücksspiel die Probleme unmittelbar verursacht hat. Menschen mit problematischem Glücksspielverhalten nehmen möglicherweise an mehreren unterschiedlichen Aktivitäten teil. Dennoch sind die festgestellten Folgen erheblich. Insgesamt 2,7 % der Glücksspielteilnehmer des vergangenen Jahres berichteten von mindestens einer schwerwiegenden Konsequenz. Weitere 6,4 % hatten ihre Ausgaben für alltägliche notwendige Dinge reduziert, 5,9 % hatten Familienangehörige belogen und 5,8 % hatten aufgrund ihres Glücksspielverhaltens Ersparnisse aufgebraucht oder Geld geliehen.
Die negativen Folgen des Glücksspiels beschränken sich nicht auf die Menschen, die selbst Wetten abschließen oder an Spielen teilnehmen. Die Jahreserhebung ergab, dass 43,2 % der Erwachsenen eine ihnen nahestehende Person kannten, die Glücksspiel betrieb. Innerhalb dieser Gruppe hatten 4,8 % mindestens eine schwerwiegende Folge durch das Glücksspiel einer anderen Person erlebt, darunter das Scheitern einer Beziehung. Gesundheitliche Beschwerden wie Stress und Angstzustände wurden von 10,8 % zumindest gelegentlich genannt. Weitere 10 % berichteten über Scham, Schuldgefühle oder Verlegenheit. Diese Erfahrungen verdeutlichen, weshalb glücksspielbedingte Probleme nicht ausschließlich anhand finanzieller Verluste oder der Anzahl von Personen mit einem bestimmten PGSI-Wert bewertet werden sollten. Familienangehörige und Partner können erhebliche Belastungen erleben, selbst wenn sie persönlich überhaupt nicht an Glücksspielen teilnehmen.
Auch der Zugang zu geeigneten Hilfsangeboten bleibt eine Herausforderung. Nur 3,4 % der Menschen, die im vorangegangenen Jahr gespielt hatten, gaben an, wegen ihres eigenen Glücksspielverhaltens Unterstützung gesucht zu haben. Unter den Personen mit einem PGSI-Wert von mindestens 8 Punkten lag dieser Anteil mit 47,3 % deutlich höher. Dennoch bedeutet dies, dass viele Menschen aus der höchsten Risikogruppe keine Hilfe in Anspruch genommen hatten. Zu den möglichen Warnzeichen gehören der wiederholte Versuch, Verluste durch weitere Einsätze auszugleichen, das Verheimlichen von Ausgaben, die Aufnahme von Schulden zur Finanzierung des Glücksspiels sowie Beeinträchtigungen von Beziehungen und alltäglichen Verpflichtungen. Persönliche Einzahlungslimits, regelmäßige Spielpausen und Selbstsperren können dazu beitragen, die Belastung zu begrenzen. Wenn das Glücksspiel bereits ernsthafte Probleme verursacht, sollten solche Maßnahmen jedoch keine professionelle Unterstützung ersetzen.
Für die britische Glücksspielpolitik verdeutlichen die 2026 veröffentlichten Forschungsergebnisse zwei zentrale Aufgaben: die korrekte Interpretation der Beteiligungszahlen und einen wirksameren Schutz von Menschen, die bereits negative Folgen erleben. Der Kauf von Lotterielosen erklärt einen erheblichen Teil der hohen Online-Beteiligungsquote, während sich die stärksten Hinweise auf problematisches Glücksspiel auf bestimmte Bevölkerungsgruppen und Glücksspielaktivitäten konzentrieren. Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung frühzeitiger Hilfsmaßnahmen, finanziell tragbarer Spieleinsätze und leicht zugänglicher Behandlungsmöglichkeiten. Menschen, die sich Sorgen über ihr eigenes Glücksspielverhalten machen, können sich an die britische Hilfsorganisation GamCare oder an die kostenlose National Gambling Helpline unter 0808 8020 133 wenden. Die Beratungsstelle ist rund um die Uhr erreichbar. Auch der britische Gesundheitsdienst NHS informiert über spezialisierte Behandlungsmöglichkeiten. Insgesamt zeigt die Untersuchung, weshalb die bloße Anzahl der Glücksspielteilnehmer nur einen Teil des Gesamtbildes vermittelt. Die persönlichen, finanziellen und gesellschaftlichen Folgen verdienen mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit.